Die Projekte im Rahmen der Kooperation
In den kommenden Jahren beschäftigen wir uns schwerpunktmäßig mit den folgenden drei Projekten.
1. Innovative Technologien in der Feuerwehr (IT-Fw)
Die Sicherheitslage hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert – in Deutschland und weltweit. Klimawandel, Migration, Extremismus und Gewalt fordern zunehmend die Sicherheitsbehörden. Einsatzkräfte wie die der Feuerwehr müssen in sehr dynamischen Einsatzsituationen und oft unter hohem Zeitdruck handeln.
Insbesondere die deutlich stärkere Digitalisierung und die Vernetzung von Systemen birgt bisher nicht da gewesene Risiken. Parallel dazu steigen die technischen Möglichkeiten, um Führungs- und Einsatzkräfte der Gefahrenabwehr bei der Bewältigung dieser immer komplexeren, facettenreichen Aufgaben zu unterstützen.
Völlig neue Anforderungen
Die Nutzung von KI-gestützten Systemen, Robotern und Augmented Reality (AR) sowie autonomen Systemen stellt allerdings völlig neue Anforderungen an die Beteiligten. Das Projekt IT-Fw beschäftigt sich deswegen mit drei Schwerpunktthemen. An erster Stelle steht die allgemeine Analyse innovativer Technologien und ihr Einsatz insbesondere bei der Feuerwehr in Ausbildung und Praxis. Darüber hinaus werden die spezifischen Anforderungen für Ausbildung und strategische Arbeit für leitende Beamte im höheren feuerwehrtechnischen Dienst erforscht.
Dabei kommt das „FIRE-Feedback Befragungspanel“ zum Einsatz, mit dem Einsatzkräfte zu spezifischen Themen gezielt befragt werden können, ebenso finden dort dauerhaft laufende Studien im Schnittfeld von Psychologie und ziviler Sicherheit statt. In der Zusammenarbeit zwischen IdF NRW und BUW können wir ganz neue Erkenntnisse für Wissenschaft und Praxis gewinnen – und somit zur Sicherheit in unserem Land beitragen. In dieser Kooperation gilt besonders, dass das Ganze viel mehr als die Summe seiner Teile ergibt.
2. Top-BOS: Topmanagement in Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben
Im Projekt Top-BOS liegt der Schwerpunkt auf der Förderung der Sicherheit in Deutschland durch Forschung zur Ausbildung und Arbeitsrealität der obersten Führungsebene der Feuerwehr (Laufbahngruppe 2, 2. Einstiegsamt).
3. SPE-HR: Strategische Personalentwicklung in der Hochrisikoarbeit
Das Projekt SPE-HR beschäftigt sich mit zentralen Aspekten der strategischen Personalentwicklung, insbesondere mit der Fehler- und Feedbackkultur, informelles Lernen in der Feuerwehr sowie der nachhaltigen Sicherung von Lernergebnissen. Ebenso von Bedeutung ist die Qualitätssicherung von Führungskräftefortbildungen innerhalb der Feuerwehr.
Die Evaluationsprojekte im Rahmen der Kooperation
1) Mit Psychologie und Feuerwehr-Know-How zu einer besseren Ausbildung
Übergeordnete Ziele des Projekts FIRE (Forschung und Innovation für Rettungskräfte) sind die Qualitätssicherung und kontinuierliche Weiterentwicklung der Führungskräfteaus- und Fortbildung der Feuerwehr. Mitarbeiter*innen der Arbeits- und Umweltpsychologie der Bergischen Universität Wuppertal (BUW) arbeiten gemeinsam mit Expert*innen des Instituts der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen (IdF NRW) daran, die Führungskräfteaus- und Fortbildung zu evaluieren und zu verbessern. Außerdem wird in diesem Rahmen u.a. Forschung zu innovativen Technologien in der Feuerwehr, strategischer Personalentwicklung, Teamarbeit und Führung in Hochrisiko-Kontexten betrieben. Durch Publikationen in internationalen Fachjournals, Open-Access-Datenbanken und in Praxiszeitschriften aus dem Feuerwehrbereich werden die Ergebnisse der Forschung einem breiten Publikum zugänglich gemacht.
2) Evaluation, um Verbesserungspotenzial zu erkennen
Am IdF NRW werden angehende und erfahrene Führungskräfte und Spezialkräfte in Tagesseminaren und mehrtägigen bis mehrwöchigen Veranstaltungen auf ihre zukünftigen Tätigkeiten vorbereitet. Neben Fachkompetenzen wird viel Wert auf die Vermittlung von praktischen Kompetenzen gelegt. Hierzu werden je nach Zielgruppe verschiedene Methoden genutzt, u.a. klassische Einsatzübungen, verschiedene Arten des Planspiels oder komplexe Stabsübungen. Dafür werden diverse Einsatzsituationen unter großem Aufwand nachgestellt.
Eine systematische Evaluation kann dabei u.a. die folgenden Fragen beantworten: Wie zufrieden sind die Teilnehmenden mit ihrer Ausbildung? Wie sehr werden die gelernten Inhalte verinnerlicht? Wie gut werden die Ausbildungsinhalte auf lange Sicht in der Praxis umgesetzt? Gemeinsam mit den Expert*innen des IdF NRW wird anhand der Ergebnisse überlegt, an welchen Stellen die Ausbildung ggf. angepasst werden kann und wie die Übertragung der Inhalte in die Praxis möglichst reibungslos gestaltet wird.
3) Forschung, um den Faktor Mensch zu verstehen
Feuerwehr-Führungskraft zu sein ist eine herausfordernde Tätigkeit – vor allem, wenn man bedenkt, dass viele Feuerwehrkräfte ihre Aufgabe ehrenamtlich übernehmen und hauptberuflich einem anderen Beruf nachgehen. In Einsatzsituationen müssen Führungskräfte Orientierung geben, obwohl sie unter besonderem Druck stehen. Neben dem Einsatz sind sie gefordert, wenn es beispielsweise um das Nachbesprechen von Einsätzen oder das Moderieren von Konflikten geht. Psychologische Forschung hilft an dieser Stelle, den Faktor Mensch besser zu verstehen. Daraus können Rückschlüsse für die Ausbildung gezogen werden.